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Die Geburtsstunde des Alpinismus

Die Geburtsstunde des Alpinismus


Am 26. April 1336 bestieg Francesco Petrarca, "allein vom Drang beseelt, diesen außergewöhnlich hohen Ort zu sehen", zusammen mit seinem Bruder und zwei weiteren Begleitern den Gipfel des Mont Ventoux, des "windigen Berges". Noch am Tag der Besteigung schreibt er seinem Freund Francesco Dionigi einen Brief, der hier in leicht gekürzter Fassung wiedergeben wird. Für viele gilt es als die Geburtsstunde des Alpinismus. Eigentlich mit Recht, denn die Geschichte des Alpinismus ist mit der Entwicklung des abendländischen Denkens in Verbindung zu bringen, und der Humanismus, zu dem Francesco Petrarca als einer der ersten großen Vertretern zählt, stellt in einem kulturgeschichtlichen Kontext die Basis für das „neue Denken“, das nun, ganz im Gegenteil zum mittelalterlichen Denken, den Mensch in den Mittelpunkt stellt. Durch das neue Weltbild rückt die Vorstellung des Berges in einem neuen Rahmen: War er einst der Sitz der Götter oder Dämonen, die Stätte der Offenbarungen, so wird er jetzt naturkundlich erforscht, vermessen und bestiegen. Es ist die schrittweise Entwicklung in Richtung einer Vergegenständlichung und Eroberung der Natur und des Berges, durch einen Mensch, dessen Weltbild nun aus dem Wechselspiel zwischen Subjekt und Objekt entsteht. Als Vorläufer der Renaissance, erkennt man im nachstehenden Brief eindeutig den Blick zurück zu den Klassikern Vergil, Ciceros, Ovid und Livius, und zugleich den großen Einfluss des christlichen Denkens, besonders durch Augustinus. Am Gipfel des Mont Ventoux treffen die zwei Denkweisen aufeinander: Der kurze Text der Confessiones des Hl. Augustinus, zu dem er zufällig beim Öffnen des Buches stoßt, hemmt plötzlich all seine weltlichen Freuden und führt ihn zurück zu einer demütigeren und ehrfürchtigeren Haltung…

Die Besteigung des Mont Ventoux

Brief an Francesco Dionigi von Borgo San Sepolcro (1336)

Den höchsten Berg dieser Gegend, den man nicht zu Unrecht Ventosus, den „Windigen“ nennt, habe ich am heutigen Tag bestiegen, allein vom Drang beseelt, diesen außergewöhnlich hohen Ort zu sehen. Viele Jahre lang hatte mir diese Besteigung im Sinn gelegen; seit meiner Kindheit habe ich mich nämlich, wie du weißt, in der hiesigen Gegend aufgehalten, wie eben das Schicksal mit dem Leben der Menschen sein wechselvolles Spiel treibt. Dieser Berg aber, der von allen Seiten weithin sichtbar ist, steht mir fast immer vor Augen.
Es ergriff mich nun das ungestüme Verlangen, endlich einmal auszuführen, was ich täglich hatte ausführen wollen, besonders nachdem mir am Vortag, als ich die römische Geschichte bei Livius nachlas, zufällig jene Stelle begegnet war, wo Philipp, der König von Makedonien – derselbe, der mit dem römischen Volk Krieg geführt hat – dem Haemus, einen Berg in Thessalien, bestieg. Er hatte nämlich dem Gerücht Glauben geschenkt, man könne von seinem Gipfel aus zwei Meere sehen, das Adriatische und das Schwarze Meer. Ob zur Recht oder zu Unrecht, habe ich nicht genügend in Erfahrung bringen können, weil die Sache dadurch unsicher wird, dass der Berg von unserer Welt weit entfernt ist und die Schriftsteller darüber verschiedener Meinung sind. (…)
Um übrigens nun jenen fernen Berg außer Betracht zu lassen und zu diesem zu kommen: mir schien für einen jungen Mann, der nichts zu tun hat mit der Leitung des Staates, entschuldbar zu sein, was man bei einem greisen König nicht rügt. Als ich aber nach einem Begleiter Ausschau hielt, da schien mir, so eigenartig es klingt, kaum einer der Freunde in jeder Beziehung geeignet: so selten ist, selbst unter lieben Freunden, jener vollkommene Einklang aller Wünsche und Charakterzüge. Der eine war mir zu bedächtig, der andere zu aufgeweckt, der zu langsam, jener zu fröhlich, der schließlich einfältiger und jener gescheiter, als mir lieb war. Beim einen schreckte mich seine Schweigsamkeit, beim andern sein Vorwitz, beim einen seine Fülle und Fettleibigkeit, beim andern seine Hagerkeit und Kraftlosigkeit; gegen den einen sprach seine kühle Teilnahmslosigkeit, gegen einen andern sein zu feuriger Eifer. Diese Schwächen, so belastend sie sind, erträgt man zu Hause – alle nämlich erträgt die Liebe und keiner Mühsal entzieht sich die Freundschaft -; aber dies alles wird unterwegs nur noch belastender. So wog mein empfindsames Gemüt, das auf ein achtbares Vergnügen aus war, umsichtig alle Einzelheiten gegeneinander ab, ohne dadurch eines der Freundschaftsbande irgendwie zu verletzen, und im Stillen verdammte es alles, was seiner Voraussicht nach dem geplanten Unternehmen lästig werden konnte. Was glaubst Du wohl? Schließlich wende ich mich um Unterstützung an den mir Nächststehenden und eröffne meinem einzigen Bruder, der jünger ist und den Du recht gut kennst, mein Vorhaben. Keine frohere Botschaft hätte er hören können, und er dankte mir freudig, dass er bei mir gleichzeitig die Stelle eines Freundes und eines Bruders einnähme.
Am festgesetzten Tag brachen wir von zu Hause auf und kamen gegen Abend nach Malaucène; dieser Ort liegt am Fuße des Berges, gegen Norden. Dort verweilten wir einen Tag und bestiegen heute endlich, jeder mit einem Diener, den Berg, nicht ohne große Schwierigkeit: er ist nämlich eine schroffe und beinahe unzugängliche Felsmasse; doch trefflich hat der Dichter gesagt:

Rastlose Müh besiegt alles. (Vergil)

Ein langer Tag, liebkosende Luft, Spannkraft der Seelen, Stärke und Behändigkeit der Körper und was dergleichen mehr ist, standen uns Wanderern hilfreich zur Seite; einzig die Beschaffenheit des Ortes bot uns Widerstand. Einen uralten Hirten trafen wir an den Hängen des Berges, der uns wertreich von der Besteigung abzuhalten suchte, indem er sagte, er habe vor fünfzig Jahren mit demselben Ungestüm jugendlichen Feuers den höchsten Gipfel erstiegen, habe aber nichts von dort zurückgebracht außer Reue und Mühsal und einen von Felszacken und Dornsträuchern zerfetzten leib und Mantel, und weder jemals vor jener zeit noch nachher habe man bei ihnen davon gehört, dass irgendwer Ähnliches gewagt habe. Während jener dies uns zurief, wuchs uns, ungläubig wie eben jugendliche Herzen Warnern gegenüber sind, am Verbot das Verlangen. Daher schritt der Greis, als er die Erfolglosigkeit seiner Bemühungen bemerkte, ein wenig vorwärts zwischen den Felsen und wies uns mit dem Finger einen steilen Bergpfad, indem er viele Ermahnungen aussprach und vieles in unserem Rücken wiederholte, als wir schon weggegangen waren.
Wir lassen bei ihm alles zurück, was irgend an Kleidern oder sonst einem Gegenstand hinderlich sein könnte, machen uns einzig und allein für den Aufstieg fertig und steigen beschwingt in die Höhe. Aber wie es fast immer der Fall ist, folgt dem kolossalen Anlauf schnell die Ermattung auf dem Fuß. Nicht weit von dort machen wir darum auf einem Felsen halt. Von da brechen wir von neuem auf und rücken vorwärts, aber langsamer. Besonders ich legte den Weg ins Gebirge mit schon bescheidenerem Schritt zurück. Mein Bruder freilich strebte auf einem abkürzenden Weg geradewegs über die Kämme des Berges in immer höhere Zonen, ich dagegen, weniger gestählt als er, schlug einen schrägen Pfad nach unten ein. Als er mich zurückrief und mir den richtigeren Weg bezeichnete, antwortete ich, ich hoffte, der Zugang auf der anderen Seite sei leichter, und ich schreckte nicht vor dem längeren Weg zurück, da ich weniger steil auf ihm vorwärts schreiten könne. Diese Entschuldigung sollte meine Trägheit vertuschen, und während die andern schon die höheren Zonen erreicht hatten, irrte ich noch durch die Talgründe, da nirgends ein sanfterer Aufstieg vor Augen lag, vielmehr der Weg sich in die Länge zog und die unnütze Strapaze nur immer schlimmer wurde.
Erst als mir vor Widerwillen ganz elend war und mich der verschlungene Irrweg verdross, beschloss ich, auf direktem Weg die Höhe zu erklimmen. So holte ich den wartenden und von der langen Rast erquickten Bruder müde und missgelaunt ein, und wir zogen nun eine Zeitlang gleichen Schrittes weiter. Kaum aber hatten wir jene Anhöhe hinter uns gelassen, da vergesse ich auch schon den Umweg von vorhin und lasse mich wieder in tiefer gelegenes Gelände abdrängen, und wiederum gerate ich, währende ich Täler durchwandere und einen Weg von bequemer Länge ausfindig zu machen trachte, auf einen langen und schwierigen Pfad. Ich schob freilich so den lästigen Aufstieg nur auf, aber durch den menschlichen Geist wird die Wirklichkeit nicht aufgehoben, und unmöglich gelangt ein Wesen von Fleisch und Blut in die Höhe durch Hinabsteigen.
Was braucht’s viele Worte? Nicht ohne das Gelächter des Bruders passierte mir dies zu meiner Entrüstung mindestens dreimal innerhalb weniger Stunden. So ließ ich mich denn, oft genarrt, in deinem Tale nieder. Dort schwang ich mich auf den Flügeln des Geistes vom Körperlichen zum Unkörperlichen hinüber und ging mit mir selbst mit ungefähr folgenden Worten ins Gericht: „Was du heute so oft bei der Besteigung dieses Berges erfahren hast, wisse, dass dies dir und vielen widerfährt, die das selige Leben zu gewinnen suchen.“ Aber es wird deswegen nicht leicht von den Menschen richtig gewogen, weil die Bewegungen des Körpers offensichtlich sind, die der Seele jedoch unsichtbar und verborgen. In der Tat liegt das Leben, das man das selige nennt, auf hohem Gipfel, und ein schmaler Pfad, so heißt es, führt zu ihm hin. Auch viele Hügel ragen dazwischen auf, und von Tugend zu Tugend muss man mit erhabenen Schritten wandeln: auf dem Gipfel ist das Ende aller Dinge und des Weges Ziel, auf das hin unsere Pilgerreise ausgerichtet ist. Dorthin gelangen wollen alle, doch, wie Ovid sagt:

Wollen, das ist zu wenig, Begehren erst führt dich zum Ziele.

Du allerdings – wenn du dich nicht wie in vielem, so auch darin täuschst -, du willst nicht bloß, sondern begehrst auch. Was hält dich also zurück? Natürlich nichts anders, als dass der Weg durch die irdischen und niedrigsten Genüsse ebener und, wie es auf den ersten Blick scheint, bequemer ist. Gleichwohl musst du, wenn du viel in die Irre gegangen bist, entweder unter der Last der unselig aufgeschobenen Strapaze zum Gipfel des seligen Lebens selber emporsteigen oder in den Talkesseln deiner Sünden schlaff niedersinken; und wenn dich dort – schon es auszusprechen, jagt mir Schauder ein - Finsternis und Schatten des Todes finden, so musst du eine ewige Nacht unter unaufhörlichen Qualen verbringen.“
Dieses Nachdenken hat mir in unglaublicher Weise Seele und Leib für den Rest des Weges aufgerichtet. Könnte ich doch ebenso mit der Seele jene Wanderung hinter mich bringen, nach der ich mich Tag und Nacht sehne, wie ich nach endlich überwundenen Schwierigkeiten die heutige Wanderung mit des Leibes Füßen hinter mich gebracht habe! Aber es müsste doch wohl jene Wanderung bei weitem leichter sein, die durch die bewegliche unsterbliche Seele selbst ohne jede Ortsveränderung im Nu eines Augenzwinkerns geschehen kann, als diese, die im zeitlichen Ablauf durch den Gehorsam des sterblichen und hinfälligen Körpers und unter der schweren Last der Glieder ausgeführt werden muss.

Der Berg ist von allen der höchste; die Waldbewohner nennen ihn „Söhnlein“, warum, weiß ich nicht – es sei denn nach dem Prinzip des Gegensinns, wie meiner Vermutung nach noch manches andere bezeichnet wird -, denn in Wahrheit scheint er der Vater aller benachbarten Anhöhen zu sein. Auf seinem Gipfel ist ein kleines Plateau. Dort erst setzten wir uns erschöpft zum Ausruhen nieder.
Und da Du ja gehört hast, welche Sorgen ins Herz des Aufsteigenden aufgestiegen sind, so höre, Vater, auch den Rest, und verwende bitte eine von Deinen Stunden dafür, nachzulesen, was ich an einem meiner Lebenstage getan habe.
Zuerst stand ich, durch den ungewohnten Hauch der Luft und die ganz freie Rundsicht bewegt, einem Betäubten gleich da. Ich schaue zurück nach unten: Wolken lagen zu meinen Füßen, und schon wurden mir der Athos und der Olymp weniger sagenhaft, wenn ich schon das, was ich über sie gehört und gelesen, auf einem Berg von geringerem Ruf zu sehen bekomme. Ich wende dann meine Blicke in Richtung Italien, wohin mein Herz sich stärker hingezogen fühlt. Die Alpen selber, eisstarrend und schneebedeckt – über die einst jener wilde Feind des römischen Volkes stieg, der, wenn wir der Überlieferung glauben dürfen, mit Essig sich durch die Felsen einen Weg brach -, sie zeigten sich mir ganz nah, obwohl sie weit entfernt sind. Luft, die mehr dem Geist als den Augen sich darbot, und ein unwiderstehliches, brennendes Verlangen erfasste mich, sowohl Freund als Vaterland wiederzusehen; (…)
Ein neuer Gedanke nahm mich darauf in Beschlag und führte mich von der Betrachtung des Raumes hin zu der der Zeit. Ich sagte nämlich zu mir selbst: „Heute erfüllt sich das zehnte Jahr, seit du nach Abschluss der jugendlichen Studien Bologna verlassen hast, und – o unsterblicher Gott! O unwandelbare Weisheit! – wie viele und wie große Änderungen deiner Sitten hat doch die Zwischenzeit gesehen! Dabei übergehe ich, was noch nicht endgültig ist. Denn noch bin ich nicht im Hafen, dass ich sorglos mich vergangener Stürme erinnern dürfte. Die Zeit wird vielleicht einmal kommen, da ich in derselben Abfolge, in der es sich abspielte, alles schildern kann, wobei ich folgenden Satz deines Augustinus vorausschicken werde: „Ich will mir ins Gedächtnis rufen meine durchlebten Niederträchtigkeiten und die fleischliche Verderbnis meiner Seele, nicht weil ich diese liebte, sondern um dich zu lieben, mein Gott.“
(…) Diese und ähnliche Gedanken liefen in meiner Brust hin und her, Vater. Ich freute mich über meinen Fortschritt, beweinte meine Unvollkommenheit und beklagte die allgemeine Wandelbarkeit des menschlichen Tuns; und an welchen Ort und aus welchem Grund ich gekommen war, schien ich irgendwie vergessen zu haben. Ich ließ meine Sorgen fahren, für die eine anderer Ort passender sein mochte, wandte mich um und blickte zurück gegen Westen – man hatte mich nämlich gemahnt und gleichsam geweckt, ich solle zurückblicken und sehen, was zu sehen ich gekommen war, die zeit zum Aufbruch dränge, da die Sonne sich schon neige und der Schatten des Berges wachse.
Der Grenzwall der Gallischen Lande und Spaniens, der Kamm der Pyrenäen, ist von dort nicht zu sehen, nicht weil, soviel ich weiß, irgendein Hindernis dazwischenträte, nein, allein infolge der Schwäche der menschlichen Sehkraft. Die Berge der Provinz von Lyon hingegen zur Rechten, zur Linken sogar der Golf von Marseille und der, der an Aigues-Mortes brandet, waren ganz deutlich zu sehen, obwohl dies alles einige Tagereisen entfernt ist. Die Rhone lag geradezu unter meinen Augen, Während ich dies eins ums andre bestaunte und bald an Irdischem Geschmack fand, bald nach dem Beispiel des Körpers die Seele zu Höherem erhob, kam ich den Gedanken, in das Buch der Bekenntnisse des Augustinus hineinzuschauen, eine Gabe, die ich Deiner Wertschätzung verdanke. Ich bewahre es auf zur Erinnerung an den Verfasser wie an den Geber und habe es stets zur Hand: ein faustgroßes Werklein, von winzigstem Format, aber voll unendlicher Süße. Ich öffne es, um zu lesen, was mir gerade vor die Augen treten würde. Was denn könnte mir wohl vor die Augen treten außer Frommem und Gottergebenem? Zufällig aber bot sich mir das zehnte Buch dieses Werkes dar. Mein Bruder stand voller Erwartung, durch meinen Mund etwas von Augustinus zu hören, mit gespitzten Ohren da. Gott rufe ich zum Zeugen an und ihn eben, der dabei war, dass an der Stelle, auf die ich zuerst die Augen heftete, geschrieben stand: Und es gehen die Menschen hin, zu bewundern die Höhen der Berge und die gewaltigen Fluten des Meeres und das Fließen der breitesten Ströme und des Ozeans Umlauf und die Kreisbahnen der Gestirne – und verlassen dabei sich selbst.
Ich war betäubt, ich gestehe es, und ich bat den Bruder, der darauf brannte, weiter zu hören, er solle nicht in mich dringen, schloss das Buch, zornig auf mich selber, dass ich jetzt noch Irdisches bewunderte, ich, der ich schon längst selbst von den Philosophen der Heiden hätte lernen müssen, dass nichts bewundernswert ist außer der Seele: Im Vergleich zu ihrer Größe ist nichts groß.
Dann aber wandte ich, zufrieden, vom Berg genug gesehen zu haben, die inneren Augen auf mich selbst, und von jener Stunde an konnte keiner mich reden hören, bis wir ganz unten angelangt waren; jenes Wort hatte mir genügend stumme Beschäftigung gebracht. (…)
Ach, mit welchem Eifer müssten wir uns anstrengen, nicht um ein höher gelegenes Stück Erde unter den Füßen zu haben, sondern die von irdischen Trieben entfesselten Begierden!
Unter solchen Bewegungen meines aufgewühlten Herzens kehrte ich in tiefer Nacht, ohne den mit spitzen Steinen besäten Weg wahrzunehmen, zu jener kleinen, bäuerlichen Herberge zurück, von wo ich vor dem ersten Sonnenstrahl aufgebrochen war, und der Mond erwies uns Wanderern die ganze Nacht hindurch seinen willkommenen Dienst. Während das Bereiten des Mahls die Diener in Beschlag nahm, ging ich unterdessen allein in einen abgelegenen Teil des Hauses, um Dir dies in hastiger Eile und aus dem Stegreif zu schreiben, durch den Ortswechsel sich die innere Stimmung vielleicht entsprechend ändere und der Vorsatz zum Schreiben verglühe.

Am 26. April 1336 zu Malaucène